Zauberhafte Toskana 2006


Zauberhafte Toskana

 

Abendstimmung Regello Gleitschirmfliegen in der Heimat von Chianti und dolce vita „Ich wollt nach Firenze, nach Rom und nach Pisa…“ So heisst es in dem bekannten Lied „Strada del Sole“ von Reinhard Fendrich. Nach Rom war es uns dann doch etwas zu weit, aber die Umgebung der beiden anderen Städte stand Anfang Oktober 2006 auf dem Reiseplan von Hang Loose. Wobei uns weniger die Kultur interessierte (ausgenommen natürlich  die Weinkultur), sondern vielmehr die fliegerischen Qualitäten der beiden Toskana-Perlen. Und die haben es wahrlich in sich, wie das folgende Reisetagebuch beweist.

 

Monte Madonna
Soaring am Monte Madonna
Eigentlich sollte es ja nur ein Ausflug in die heimischen Alpen werden. Aber nach  einem schönen Herbstflug am Kalmberg in Gosau mit überraschend guter Thermik und einem Tag am Bischling zwingt uns das ankommende Schlechtwetter jetzt doch weit in den Süden. So entscheiden wir – das sind die Hang Loose-Mitglieder Stefan, Christian, Bert, Bruno, Karl und Gerhard – spontan, Umbrien und der in Gourmetkreisen vielgerühmten Toskana einen Besuch abzustatten. Auf dem Weg dorthin können wir aber nicht widerstehen und schauen noch schnell am Monte Madonna nahe Padua vorbei.
Monte Madonna
Der Startplatz ist klein, steil, staubig und uneben, also eher besch…(eiden), aber der Wind steht sauber von vorne an. So kommen wir gut in die Luft und können einen schönen Soaringflug über dem Berggipfel genießen. Nur als nebenan im Flachland zwei Düsenjets auf unserer Höhe vorbeirauschen, wird uns kurz etwas mulmig. Doch hier knapp am Berg haben wir nichts zu befürchten. Zufrieden landen wir auf einer Wiese neben der Auffahrtsstraße und warten auf unseren Chauffeur Stefan, der heute auf einen Flug verzichtet hat; wohl auch,  weil ihm die vielen Murauer Biere, die wir am Vortag in unserem Abendquartier im Lungau genossen haben, noch ein wenig im Magen liegen. Wir anderen freuen uns über den schönen Flug und schmieden schon weitere Pläne. Bei einem Cappuccino in einer kleinen Bar besprechen wir unser nächstes Ziel, die sanften Hügel von Umbrien und der Toskana.

 

Assisi Höhen- und Tiefflüge bei FlorenzLeider bescheren uns die folgenden Tage kein Flugwetter. Der Sturmwind peitscht über Umbrien und so bleiben ein abendliches Picknick am Monte Subasio bei Assisi und die anschließende stürmische Nacht am Berg die einzigen Highlights.Nach zweitägiger Flugpause stehen wir am nächsten Tag aber bei optimalen Bedingungen und  herrlichem Wetter wieder auf einem tollen Startplatz.

Der Massa Nera bei Regello in der Toskana bietet rund 570 Meter Höhendifferenz und einen grandiosen Ausblick auf die umliegenden Hügel bis hinüber nach Florenz. Der Wind ist optimal und so sind wir alle bald in der Luft. Es geht ganz gut und wir drehen vor dem Startplatz rasch auf.

Nur Bruno hat Pech, er gerät an einem vorgelagerten Bergrücken ins Lee und damit in eine Zone mit großflächigem Sinken und muss nach einem Notlandeplatz Ausschau halten. Als einziger Ausweg bleibt eine von hohen Bäumen umgebene, lächerlich kleine Lichtung, auf der noch dazu auch noch ein Haus steht. Doch unser „Tiefflieger“ Bruno schafft es zu unserer Erleichterung ohne größere Blessuren dort zu landen. Nur sein Schirm fällt auf das Hausdach, wobei einige Leinen etwas in Mitleidenschaft gezogen werden. Doch das ist unter den schwierigen Umständen verschmerzbar.

Assisi
Massa Nera Massa Nera
Massa Nera Massa Nera
Massa Nera Wir anderen genießen die wunderbare Aussicht und den ruhigen Herbstflug über der herrlichen Landschaft der Toskana . Im Osten locken die höheren Berge des Pratomagno zu einem kleinen Streckenflug, aber die darüber liegenden Wolken sind schon bedrohlich schwarz. So verzichten wir lieber auf unnötige Experimente und landen nach einem schönen Genussflug am ausreichend großen Landeplatz oberhalb des Anwesen „La Corte“.  Bert fliegt noch von einem zweiten Startplatz in der Nähe, dem Monte Secchieta, muss sich aber mit einem Gleitflug zufrieden geben. Mit einem guten Abendessen und ausreichend „vino della casa“ lassen wir den erlebnisreichen Tag in einer der preiswerten Pizzerias ausklingen.

 

Giuliano Terme Flug mit Meeresblick
Ein tolles Erlebnis ist auch ein Flug in San Giuliano Terme bei Pisa. Zwar beträgt der Höhenunterschied nur knapp 200 Meter, aber der Wind vom nur wenige Kilometer entfernten Meer weht in der Regel ab Mittag ausreichend stark, sodass stundenlange Soaringflüge an der kleine Kante oberhalb des Ortes möglich sind. Der  Blick auf den weltberühmten schiefen Turm von Pisa ist dabei bei klarer Sicht inklusive. Die eingelagerte Thermik erlaubt oft auch große Höhengewinne, für die einheimischen Piloten ist der Startplatz auch Ausgangspunkt für beeindruckende Streckenflüge.  Wir begnügen uns nach einem Ausflug ans Meer mit der Erkundung der näheren Umgebung des Startplatzes aus der Luft und geben uns dem Spiel mit dem Wind hin. Nach einigen Toplandungen werden Hunger und Durst dann doch größer als die Freude am Fliegen und wir steuern den großen Landeplatz am Fuß der Hügelkette an, wo schon Wein und Knabbereien auf uns warten.
Giuliano Terme

 

Stubaital
Abschied vom Dolce fa niente (= süßes Nichtstun)
Eigentlich wollten wir ja noch die Flugmöglichkeiten rund um Lucca erkunden, aber ein aufziehendes  Tiefdruckgebiet verhindert weitere Flüge in der Toskana. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, sind doch inzwischen für Österreich wieder gute Flugbedingungen gemeldet. So kommen wir auf der Heimreise nach einem kurzen Abgleiter in Bassano noch zu einem schönen Flug im Stubaital. Und für unseren nächsten Besuch in der Toskana bleibt noch genügend unentdecktes fliegerisches Neuland übrig. Denn im Gegensatz zu Reinhard Fendrich in seinem eingangs erwähnten Lied „pfeifen“ wir keineswegs auf Italien, sondern freuen uns schon auf den nächsten Besuch in diesem Land mit seinen freundlichen Menschen und seinen vielfältigen Flugmöglichkeiten.

                                  Italien, wir kommen wieder.

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