Netter Runreport von Franz alias Hensi Bensi von seinem unvergesslichen Flug am 07.03.2026 vom Bischling mit grande Finale fast bis nach Hause.
Die einmaligen Eindrücke schildert Franz nur mit seinen Worten, Evgeny mit beeindruckenden Bildern… ein magischer Tag, die Erinnerungen bleiben.
März, der neue Mai
Ein Besuch von Evgeny ist natürlich immer allerfeinst. Wenn er dann auch noch in Voraussicht eines kommenden Flugtages passiert, kann der Stimmung schon nichts mehr passieren. Beim Bierkonsum muss man dann natürlich ein bissl bremsen – das letzte Bier im Zweifel halbieren, damit man fit ist.
Fuxi hat sich freundlicherweise als Shuttle zum Bischling angeboten. Pränzi ist auch dabei, der Hundling hat Geburtstag und sagt nix. Zumindest vorerst. Seine Idee, vom Bischling heimzufliegen, hat allen gleich gefallen. Eine grandiose, möchte man sagen – Anfang März natürlich optimistisch. Der Tag soll 4, maximal 5 Stunden Thermik bringen. Da muss man schon bissl draufdrücken, wenn das funktionieren soll.
Die Fahrt zum Schling ist illuster. Eh klar, 4 Flieger ham sich was zu erzählen. Vor allem schön, auch den Fuxi wieder mal zu sehen. Er sollte uns ein Stück begleiten.
10:30 Uhr
Am Bischling ist noch reger Skibetrieb. Uns kommt das komisch vor, wir wollen fliegen. Aber aktuell schauts noch nicht danach aus. Also noch ein Apfelstrudel in die Futterluke. Pränzi wirft die Runde und erwähnt beiläufig, dass er Geburtstag hat.
Als ein Neslerschirm überhöht, begibt sich die Meute gen Startplatz. Wir nehmen Süd, da am West Schirme wie Handtücher in Bibione herumliegen.
Ich muss gleich zweimal auf den Topf. Durchfall aus der Hölle. Mist. Im wahrsten Sinne. Meinen Camelbag werde ich nur zur Zierde ins Gurtzeug hängen – ich trau mich nicht zu trinken, aus Angst vor dem Glucker-grummel-Bauch.
11:30 Uhr
Der Hausbart zieht nur langsam. Saharastaub liegt in der Luft. Kaum auszudenken, was da unten los sein muss, dass er hier ankommt. Wir schwurbeln uns gemächlich auf 2.200 – Pränzi zieht schon optimistisch an der Leine. Ruhig Blut, der Weg zum Dachstein ist heikel. Wir sind früh dran.
Trotzdem gondeln wir uns mal in Stellung zur St-Martin-Querung. Im Rudel machen wir 2.450m – immer noch keine üppige Abflughöhe – aber dann siegt trotzdem die Gier. Wir gleiten los.
12:00 Uhr
Drüben geht gleich die Post ab. Es semmelt uns erstmalig mit gewaltigen Steigwerten nach oben Heureka! Bei solch Aufwinden kann selbst ich rechts kurbeln. Der arme Evgeny musste bis jetzt dauernd links. Die Route zum Rötelstein fliegen wir äußerst vorsichtig, nehmen jeden Heber mit. Hier ist es ganz, ganz leicht, abzusaufen.
12:45 Uhr
Rötelstein. Der Sagenumwobene. Macht seinem Ruf alle Ehre. Begrüßt uns mit einem Hammer von unten. Himmel hilf, ich will nicht sterben! Und schon garnicht rechtskurbeln, hardigattn!
Am Dachstein schlürft Pränzi in einem Felskamin und lässt sich da hochspülen. Nönö, das will ich nicht. Ich fliege weiter und schwurble mit einem gelben Lyght auf, der mich bis zum Grimming begleiten wird. Evgeny ist dicht hinter mir, braucht aber eine Weile, bis er einen Bart einfädelt. Pränzi und ich tasten uns gemächlich weiter. Das Ennstal ist heute keine Autobahn – immer wieder müssen wir ganz normal aufdrehen, ab 2.600m wird es gar mühsam.
Pränzi, der unbekannte gelbe Lyghtflieger und ich sind ein gutes Rudel, das gemeinsam rudelhudelt.
14:00 Uhr
Am Grimming sind die Bärte ein wenig südversetzt, aber immerhin nicht grimmig. Sehr fein! Wir lassen uns auf 2.900m hochquirrlen. Der gelbe Lyght verlässt Pränzi und mich. Marmelade.
14:30 Uhr
Am Hechelstein zieht es gut an, lässt aber bei 2.400m wieder aus. So führt kein Weg über das Tal der Nimmerwiederkehr. Ich fliege die Rippe weiter Richtung Osten, wo ein Schirm in großer Höhe kurbelt, finde aber immer noch keinen anständigen Bart. Evgeny ist auf dem Flarm wieder recht nahe, aber weiter im Ennstal. Ich halte Ausschau, da ich davon ausgehe, dass er sich gleich in unseren Bart setzen wird, was aber leider nicht passiert.
Mühsam arbeiten wir uns auf 2.700m hoch, Hinterstoder wirkt zunehmend erreichbar. Pränzi setzt wieder mutig an, ich bin etwas höher, aber spannend wird’s trotzdem.
15:00 Uhr
Doch alles gut: Auf halbem Weg geht’s plötzlich unerwartet hoch – lustigerweise heißt der unscheinbare Kugel unter uns „Sumpereck“ – was ich aber natürlich erst jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen erfahre. Entgegen der Nomenklatur schenkt uns das Sumpereck kein Sumpern, sondern Steigen auf über 2.800m. Jipiee, damit kommen wir an die Westflanken der Höss. Der Heimweg ist nun um Stunden kürzer – so fliegt es sich wesentlich entspannter, der Rest ist Bonus. Auf der Höss kratzen wir an den 3.000m, bevor wir das Sengs anvisieren. Pränzi probiert den Tamberg weiter links, ich meide diese Stelle, normal tobt dort der Talwind. Heute dürfte das anders sein, Pränzi kann ein bisschen kurbeln, während ich nach ein paar Nullschieberkreisen weiter Richtung Sengs fliege.
15:45 Uhr
Am Sengs angekommen werde ich mal standesgemäß durchgeschüttelt. Mein Alpina ist ein Braver, weiß aber auch nichts anzufangen mit den Böllern, die unregelmäßig ins Untersegel feuern. Über dem Nock steht ein kleines Bummerl – das erste des Tages – am Tagesende. Also hin! Am Hagler finde ich dann endlich, was ich suchte: Einen kräftigen 3m-Bart, der mich hochträgt. Leider löst sich das Bummerl bereits auf und ich komme nicht mehr ganz ran – es ist 16:00 Uhr – der Tag schaltet ab. Während ich aufdrehe kann ich Pränzi dabei zusehen, wie er sich übers Sengs drüberstiehlt und tief weiterbastelt. Ein Held!
Endanflug
Mit 2.550m überfliege ich den Nock und weiß, dass das mein Endanflug ist. Vor mir liegt alles in einer Dunstglocke. Vom Vorjahr (da mit Delta 5) weiß ich, dass mein Alpina so saugut geht, dass der Überflug vom Schobi möglich sein könnte. Und tatsächlich: Der Gleitzahlrechner pendelt sich zwischen 11 und 12 ein – so gleite ich um 16:25 Uhr mit 100m unterm Hintern übers Schobersteinhaus. Eine andere Welt, so ein Zweileiner!
Am Herndleck winke ich noch ein paar Abendfliegern, die sich wohl fragen, wo ich herkomme. Der Gleitflug bis Steinbach an der Steyr ist traumhaft. Gleißende Abendsonne, wohlige Wärme und Euphorie. Endorphine, ihr wohligen Freunde!
16:42 Uhr: Landung
Nach 39 Minuten reinem Gleitflug lande ich. Ich werde von freundlichen Bauern empfangen und die letzten paar Kilometer nachhause gefahren. Seeeehr lieb! So kann ich ins Auto springen und Evgeny vom Bahnhof abholen, der tatsächlich in Liezen gelandet ist. Er wollte nicht alleine die Hechelstein-Hinterstoder-Querung fliegen – sehr verständlich – die Passage ist schon sehr einschüchternd. Wir wollen nun Pränzi abhlen und heimbringen – der muss auf seine Geburtstagsfeier. Auf der Fahrt erfahren wir aber, dass bereits seine Nichte auf dem Weg ist. Gute Feier wünschen wir!
Es zeigt sich wieder mal, dass es nicht die weitesten Flüge sind, die sich am Schönsten darbieten. Es war auf diesem Flug nichts geschenkt – vielleicht auch deswegen so magisch. Gut möglich, dass wir das wieder mal fliegen. Aber so – auf diese Weise – mit diesen Eindrücken – nie wieder. Leider bin ich gerade Smartphonelos – daher gibt’s keine Bilder. Bis auf die in meinem Kopf. Und die… die leuchten!
Die unvergesslichen Eindrücke von Evgeny in Bildern…
















